Ein wichtiger Aspekt von Tantra ist es, zu üben, den Energiestrom in sich fließen zu lassen, zum Beispiel auch wenn man von anderen Menschen beeinflusst oder abgelenkt ist. Oftmals ruhen wir nur solange in unserem inneren Frieden in uns, solange wir keinen anderen Menschen begegnen. Dabei ist körperliche Berührung natürlich eine nochmals um vieles intensivere Form der Begegnung mit anderen Menschen, als normale alltägliche Interaktionen mit Menschen. Aber selbst bei Begegnungen wo uns der andere meinetwegen nicht einmal näher als 5 Meter kommt, lassen wir es ja oft schon zu, dass wir innerlich total aus dem Gleichgewicht kommen. Unser Herz verändert seine Pulsschlag, wir durchleben verschiedene, von uns meist nicht kontrollierte Emotionsstadien, in unserem Geist springen tausend Gedanken an, Wertungen, Bewertungen, Erinnerungstrigger, Ängste, Schuldgefühle, Denk- und Handlungsmuster, usw, usw, usw. Und dies, wie gesagt oftmals obwohl noch nicht einmal eine Berührung stattgefunden hat. Dies alles verhindert dann, dass wir weiter im göttlichen Zustand unseres ureigensten Seins ruhen können. Ein wichtiger, vielleicht sogar der allerwichtigste Teil des Tantra ist es darum, dies zu üben, zu trainieren, dass man, selbst wenn der andere ganz nah ist, trotzdem die Kontrolle über den eigenen Energiefluss im Körper behält. Es ist wichtig zu verstehen dass, wer die eigenen Energien kontrolliert, der hat damit indirekt die Kontrolle über die eigenen Gefühlsströme (=ganz wichtig), die eigenen Gedanken, Organe, Herzschlag, Puls, usw, eben über alles oben genannte. Es geht also darum, zu lernen im eigenen Göttlichen zu verbleiben auch in der Interaktion mit anderen. Dieses sich mit dem Göttlichen (und dem anderen) Eins fühlen zu üben ist ein wichtiger Aspekt im Tantra. Hierzu gibt es:
Übungen ohne Körperkontakt / ohne Berührung zu einem Tantrapartner
Übungen mit Berührung (Wobei es hierbei natürlich unterschiedliche Berührungsgrade gibt. Wer es dann schafft selbst bei der intensivsten Form der Berührung, also dem Orgasmus, den eigenen Energiefluss zu kontrollieren in dem Sinne, keine Verkrampfungen / Blockaden im eigenen Energiefluss zu haben, also im göttlichen Sein des Alles-annehmens und Alles-loslassens zu sein, der hat diesen wichtigen Aspekt des Tantra gemeistert. Die meisten Orgasmen normaler Menschen sind hingegen ganz und gar verkrampft, und weil sie es aber gar nicht anders kennen glauben sie dann das sei normal bei einem Orgasmus. Und weil sie auch nicht glauben dass man Sexualität üben müsse oder gar könne, kommen sie auch nicht raus aus ihrer begrenzten Sexualität.)
1. Iris schrieb am 23.1.2022: Leider gehöre ich auch zu diesen kontrollfreaks und lasse nichts zu, schon gar keinen orgasmus! Mein sexuelles Leben war bislang eine Katastrophe (bin 65 Jahre alt) und lebe mittlerweile alleine. War vier mal verheiratet und hab soweit immer alles mitgemacht. Auch ein Kind in die Welt gesetzt! Und war ständig auf der Suche, hab mehrere Psychotherapie hinter mich gebracht über Monate. Habe einfach Angst von der Liebe! Vor der intensiven psychischen und körperlichen Liebe. Also vor Verletzungen! Ich würde mich sehr freuen wenn du mir einen Weg aufzeigen könntest, damit ich in dieser Inkarnation einen Schritt weiter komme! Vielen Dank
2. Andreas schrieb am 23.1.2022: Hallo Iris, es ist dir ja selber schon bewusst dass dein nicht loslassen der Kontrollsucht sogar den Orgasmus verhindert. Jeder Mensch hat immer wieder Spannungen in sich - und das kann und muss man aber üben Spannungen loszulassen, weil ansonsten werden sie zu Lasten, weil alles was man nicht loslässt sammelt sich ja an und erzeugt dadurch immer mehr Belastungen.
Lerne und übe also das Loslassen. So kannst du dir für einen gewissen Zeitraum (mindestens 3 Wochen) zb vornehmen jeden Tag etwas bewusst loszulassen (reale Dinge, Verantwortungen, alte Sichtweisen die Druck erzeugen, usw). So dass das Loslassen für dich "normal" wird.
Ohne die Fähigkeit des Loslassens von Spannungen und den damit verbundenen Ängsten kann man sich nicht dem göttlichen Energiefluss hingeben, weil Spannungen im Mensch wirken immer energieflussblockierend..
lg von Andreas
3. Michaela schrieb am 11.12.2025: Hallo Andreas, zu allererst... einfach Danke für dein Sein und Wirken. Ich erhielt durch deine Seite schon so viele Impulse durch welche ich an mir arbeiten konnte.
Zu meinem Thema. Ich bin verheiratet und lebe in einer Ehe mit einem liebevollen Mann und drei Kindern. Die Ehe war nicht immer einfach. Wir lebten beide unsere unbewussten Anteile aus. Ich hatte starke Bindungsangst früher was zu einem Seitensprung one night stand am Anfang der Ehe führte und Anfang 2024 schrieb ich intim eine Woche mit einem anderen Mann. Ich beendete es weil ich innerlich spürte das ich das nicht wollte.
Ich konnte viel seither lösen was Kindheitstraumata betrifft.
Ich gehe sehr offen mit meinen Themen um, spreche über meine Gefühle. Dieser Einblick machte meinem Mann Angst. Er hatte früher schon depressive Phasen.
Letztes Jahr verliebte ich mich während ich psychotisch war in einen anderen. Es war als stehe ich vor jemanden, dem ich mich einfach zeigen kann wie ich bin. Wenn ich darüber schreibe öffnet sich mein Herz.
Ich versuchte nicht mehr an ihn zu denken. Es gelang mitunter auch weil er vergeben war.
In der Zwischenzeit habe ich bei mir sehr viel lösen können. Ich habe auch tantrische Erfahrungen mit meinem Mann sammeln können. Ich habe mich ihm sehr geöffnet und dabei an meiner Kindheit gearbeitet und Frieden geschlossen.
Mein ganzer Prozess hat sehr viel Ängste bei meinem Mann ausgelöst. Umso mehr ich meinen Weg gefunden habe umso ängstlicher wurde er.
Ich projezierte damals und heute auch noch meinen Vater auf ihn und habe mit meinem Vater Frieden geschlossen.
Mein Mann ist davon überzeugt dass ich noch ein bindungsangstlicher Typ bin und er der Gegenpol der klammert und Verlustängste hat.
Jeden Tag braucht er meine Bestätigung dass zwischen uns alles gut ist. Natürlich sind seine Ängste auch in meinem Verhalten in der Vergangenheit begründet als ich mir meiner noch nicht bewusst war.
Nun habe ich vor ein paar Wochen erfahren, dass dieser Mann in den ich mich 2024 verliebt habe nicht mehr vergeben ist. In diesem Moment tanzte mein Herz und ich fühlte mich frei wie ein Kind. Wenn ich an ihn denke und ihm schreiben möchte öffnet sich mein Herz und mich zieht es so sehr zu ihm.
Mein Mann weiß davon das ich an ihn denke und ich habe ihm auch gesagt dass ich auf diesen anderen Mann auch projeziere. Ich weiß nur nicht genau was. Ich weiß nur ich fühle mich unbeschreiblich frei, lebendig und voller Liebe.
Nun ist es so das mein Mann überzeugt ist ich hätte Bindungsangst und ich könnte flüchten weil ich mir etwas vormachen und einfach Angst hätte.
Ich bin mir in sofern unsicher und habe erbitte deinen Rat. Ich weiß das ich meinen Gedanken nicht immer trauen kann. Jedoch aber meinen Gefühlen. Von daher Frage ich mich, können mich auch meine Gefühle täuschen?
Ganz herzliche Grüße an dich und danke für deine Antwort.
4. Andreas schrieb am 11.12.2025: Hallo Michaela, Ein Mann der klammert und ängstlich ist wirkt natürlich extrem unattraktiv und es gibt für eine Frau nichts natürlicheres als einen solchen Mann zu verlassen und zu einem anderen angstloseren Mann zu wechseln. (Angstloser bedeutet ja mehr Alphabewusstsein, ob der andere dann irgendwann auch ängstlich wird und sein Alphatum verliert, das steht natürlich auf einem anderen Blatt.)
Was aber einem solchen Wechsel entgegen steht, das sind deine Glaubenssätze (zb der Glaubensanteil der glaubt seinen Mann nicht verlassen zu dürfen oder zu sollen), Gelübde (Ehegelübde) und andere Vorsätze die du früher gemacht hast. Und ja, mit diesem Gegensatz musst du also arbeiten um da statt gegensätzliche Spannungen einen Frieden und Harmonie in dir zu erzeugen.